Offener Brief #KuhKussChallenge an Frau Bundesminster Köstinger

An das
Bundesministerium für Nachhaltigkeit
und Tourismus Frau Bundesministerin
Elisabeth Köstinger 

Wolfhalden, 20. Mai 2019 


#KuhKussChallenge - Ihr Schreiben vom 17. Mai 2019 

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,  

da unsere Sichtweise häufig unvollständig oder gar nicht erwähnt wird, wende ich mich mit einem offenen Brief an Sie - in der Hoffnung, dass dadurch unser Standpunkt ebenfalls wahrgenommen wird. Damit Sie Zeit haben, werden wir diesen Brief jedoch erst am Dienstag veröffentlichen.

Ich möchte gerne zunächst sagen, dass ich Ihr Ressort für eines der wichtigsten halte und Ihre Arbeit für die Umweltpolitik in Österreich schätze.

Darf ich Sie bitten, auch wenn Ihr Tag viele Aufgaben bereithält und die Zeit selten reicht, sich mein ganzes Schreiben durchzulesen, da es nur in seiner Gesamtheit die Chance hat, auf Verständnis zu stoßen.

Social Media birgt - abgesehen von Kuh-Küssen - viele Gefahren, denen sich Castl mit einem völlig neuen Entwurf entgegenstellt.

Soziale Medien genießen heutzutage einen miserablen Ruf: Sie machen süchtig, sind schuld an Mobbing, verderben die Jugend, manipulieren Wahlen, stecken ihre Nase in das Privatleben ihrer User und verschachern hemmungslos und profitgierig ihre Daten. Immer wieder warnen Wissenschaftler, wie beispielsweise in einer zuletzt veröffentlichten und vielzitierten Studie der Texas State University, davor, dass bestimmte Social Media Apps depressiv machen können. Da alle immer nur die schöne Schein-Welt zeigen entsteht schnell der Eindruck, dass das eigene Leben unzulänglich wäre. Junge Menschen seien deutlich depressiver, wenn sie sich mit anderen in sozialen Medien vergleichen.

Bei Castl erleben wir zum ersten Mal eine aktive Community, die sich keine Schein-Welt vorgaukelt. Wir feiern bei der Shit-Pic-Challenge den Wäscheberg anderer und beißen zur Zitronen-Challenge auch mal ungeschminkt in eine Zitrone. Kurz: Bei uns zeigt sich jeder so wie er ist und darf auch sein wie er ist, ohne Angst gemobbt oder von selbsternannten Internet-Polizisten niedergeschrien zu werden.

Denn wenn man auf anderen Plattformen mal was Dummes oder Außergewöhnliches macht, wird man sofort zurechtgewiesen und niedergepöbelt. Dieselben Mechanismen, die uns schon im realen Leben oft bewegungsunfähig machen, greifen im Netz noch mehr, da hier bei der Beschimpfung anderer oft das letzte bisschen Anstand wegfällt. Dass wir solche User bei Castl nicht haben und unsere Community ihren Spirit trotz stetig wachsender Zahlen aufrecht erhält, empfinden wir als große Freiheit.

Castl zieht daher den Unmut Ihres Ministeriums nicht aus Ignoranz auf sich, sondern um eben diese Freiheit seiner Bewohner (unserer User) zu schützen. Was wiegt höher - der Gedanke jeden Bürger in Sicherheit zu wissen oder die Freiheit des Einzelnen, sich auch in Unsicherheit begeben zu dürfen? Denn wenn wir Letzteres verneinen, dann müssten wir konsequenterweise zuerst alle Alpin-Sportarten inklusive des Wanderns verbieten, da diese statistisch betrachtet um vieles gefährlicher sind, als die Begegnung mit einer Kuh.

Daran ändert auch der sehr bedauerliche und viel zitierte Vorfall von 2014 in Tirol nichts, bei dem häufig nicht erwähnt wird, dass bei diesem Vorfall ein Hund mit im Spiel war.

Gemäß Kuratorium für Alpine Sicherheit gab es in den vergangenen 10 Jahren 120.000 Alpin-Unfälle und nur 54 Vorfälle mit Kühen. Obwohl Wandern aufgrund von Herzinfarkten und Abstürzen um ein Vielfaches  gefährlicher ist, würde wohl niemand auf die Idee kommen, eine Wander-Challenge zu verbieten.

Ich bin außerdem davon überzeugt, dass sich jeder Mensch, mit oder ohne Kuh-Küsschen, sehr respektvoll Kühen nähert - das gebietet schon allein die Größe des Tieres. Die Vorstellung, dass Leute mit Hund und Handy auf Mutterkühe mit Kälbern zurasen, um ihnen gegen ihren Willen ein Bussi zu geben, ist reines Kopfkino.

Sicherheit bedeutet zudem nicht automatisch Lebensqualität. Was bedeutet schon Sicherheit für jemanden, der vor lauter Angst keine Freude am Leben hat?

Ist nicht die stetige Angst davor, dass etwas Schlimmes passieren könnte, bereits das Schlimmste selbst?  

Gestatten Sie mir noch eine Anmerkung zum Thema Kuhwürde. Obwohl Sie selbst dieses Thema dankenswerterweise nicht angesprochen haben, taten dies andere Behördenvertreter. Solange wir Kühe in Tiertransporten quer durch Europa schicken, ihr Fleisch essen und ihnen jeden Tag an den Zitzen ziehen, soll mir bitte niemand erklären, dass ein Küsschen die Würde einer Kuh verletze.

Das Ansinnen für ein respektvolles und gutes Miteinander zwischen Mensch und Tier teilen wir selbstverständlich mit Ihnen. Bei Castl gibt es ja nicht nur Spaß und verrückte Ideen, sondern wir sind meines Wissens das erste Unternehmen, das den Grundgedanken der ökosozialen Balance im Source-Code zutiefst verinnerlicht hat. Mit "Crazy shit for the good cause" kann jeder Challenge-Teilnehmer für eines von 70 gemeinnützigen Projekten antreten, die er selbst auswählen kann. Darunter natürlich auch Projekte für Tier- und Umweltschutz. Der Sieger spendet dann automatisch die Hälfte seines Sieger-Pots an das von ihm zuvor gewählte Projekt.

Dass wir eine Community sind, die andere für ihre Verrücktheit feiert und jedem das Gefühl von Freiheit vermittelt, ist für mich der wahre Spirit von Castl und diese Einzigartigkeit möchten wir uns bewahren.

Wir werden die KuhKussChallenge bei Castl daher nicht vorzeitig stoppen, da wir glauben, dass die Freiheit des Einzelnen höher wiegt, als grundsätzliche Bedenken.

Um Ihr Aktionspaket "Sichere Almen" zu unterstützen, werden wir jedoch gerne ab sofort unsere Beschreibung zur KuhKussChallenge dahingehend anpassen, dass wir jeden Teilnehmer bitten, nur mit Einverständnis des Bauern ein Küsschen zu wagen. Abschließend glaube ich, dass unsere KuhKussChallenge auch Ihrer Aktion "Sichere Almen" sehr viel Aufmerksamkeit gebracht hat und wünsche Ihnen für die Umsetzung dieses Projekts viel Erfolg!

Hochachtungsvoll

 
Marnus Flatz
CEO Castl AG


Pressebilder

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